Versteckte Schätze heben
Es ist ein bisschen wie eine „Schatzsuche“, auf die sich die rund 20 Schüler und Schülerinnen des Gymnasiums Georgianum in den kommenden Monaten machen wollen. In Archiven, bei Gesprächen mit Verwandten und Fremden, bei der Lektüre alter Schriften und Bücher wollen sie der Geschichte ihrer Heimatorte auf die Spur kommen. Und wenn dabei der ein oder andere Schatz ans Tageslicht gefördert wird, dann könnten auch die Schüler anderer Schulen im Kreisgebiet was davon haben: Besonders interessante Funde sollen nämlich in einen „Archivkoffer“ wandern, den der Kreis Borken für die Schulen im Kreisgebiet packen will. Er soll Bestandteil der sogenannten kulturellen Bildung im künftigen „Kulturhistorischen Zentrum“ sein. Hinein sollen beispielsweise Ablichtungen von Dokumenten, die besonders aussagekräftig sind oder auch andere Quellen, mit den Schüler was über die Geschichte ihrer Region lernen können. Beim Besuch von Nicole Brögmann vom Bildungsbüro des Kreises am Montag im Projektkursus des Vredener Gymnasiums hatte Nico aus Oeding schon einen ersten Vorschlag, was in den Archivkoffer rein könnte. Der Elftklässler beschäftigt sich mit der Geschichte des Kriegervereins Oeding und hat dabei eine „Kaiser-Wilhelm- Medaille“ entdeckt, die 1897 aus Anlass des 100. Geburtstages von Kaiser Wilhelm I. aufgelegt worden war. Auch bei den Untersuchungen der anderen Schüler-Teams könnte Interessantes dabei herumkommen: Dennis und Daniel etwa wollen die Geschichte ihrer eigenen Familien erforschen, deren Vorfahren 1763 nach Russland ausgewandert worden waren und deren Nachkommen mit drei Kindern nach Vreden gezogen sind. Melanie und Pia wollen die Ausgaben heimischer Zeitungen aus der NS-Zeit untersuchen, Jana das Thema Kinderlandverschickung, Yannis und Steffen die Geschichte der Messdiener von St. Georg. „Wie lebten Flüchtlinge und Einheimische zusammen“, fragt Carolin, die schauen will, wie mehr als 1000 Flüchtlinge im kleinen Vredener Kirchdorf Ammeloe nach dem Krieg zurecht kamen. „Viele Felder sind noch unbearbeitet“, freute sich Geschichtslehrer Hendrik Schulze-Ameling über die Themen, die die Elftklässler ausgesucht haben. Bis zum kommenden Juni haben sie Zeit, Facharbeiten über „ihr“ Thema zu schreiben. Eine solche Facharbeit ersetzt eine der obligatorischen Klausuren für die 16- und 17- Jährigen. Für Schulze-Ameling ist so ein Archivkoffer eine gute Hilfe, die Geschichtslehrer im Unterricht nutzen könnten. So könnten Schüler etwa die Nachbildung einer solchen Medaille anschauen, anfassen und Auffälligkeiten beschreiben. Oder es ließen sich die Reden an Kriegerdenkmälern von früher und von heute miteinander vergleichen. Wie der Archivkoffer des Kreises genau aussehen wird, ist noch unklar. Nicole Brögmann war aber vom Auftakt schlicht begeistert. „Ich bin ganz baff“, sagte die Frau vom Bildungsbüro.
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